Die Verteidigung der «Wahrheit»
- Talk Session (Ω)
- Parallelsession
- Datum
- Zeit
- –
- Ort
- Pool
Was kann Wissenschafts:kommunikation gegen Manipulation durch sogenannte «KI» tun? Eine ethische Analyse
Peter G. Kirchschläger | Universität Luzern / ETH Zürich
Sogenannte «KI» – passender als «datenbasierte Systeme» (DS) zu bezeichnen, weil es sich nicht um Intelligenz handelt – weist die ethische Gefahr auf, für die Manipulation von Menschen eingesetzt zu werden. Aufgrund von grossen Datenmengen können Menschen als Konsument:innen und als politische Bürger:innen manipuliert werden. Welche Möglichkeiten besitzt Wissenschafts:kommunikation, solche Manipulation durch DS zu unterbinden? Wer trägt darüber hinaus Verantwortung für die Achtung von Wissenschaftlichkeit, Fakten und «Wahrheit»? Diese und ähnliche Fragen werden aus einer ethischen Perspektive diskutiert sowie konkrete Handlungsvorschläge entfaltet, u.a. menschenrechtsbasierte globale Regulierung von DS sowie deren Durchsetzung durch die Schaffung einer Internationalen Agentur für datenbasierte Systeme (IDA) bei der UNO.
Wissenschaftskommunikation im Lichte von Polarisierung und Populismus
Ivo Scherrer | Pro Futuris
Wissenschaftliche Mechanismen erlauben es unserer demokratischen Gesellschaft, unsere Überzeugungen der Wirklichkeit anzupassen, unsere Irrtümer zu erkennen, und neue Wege für die Lösung gemeinsamer Herausforderungen einzuschlagen.
Wie zahlreiche Institutionen der liberalen Demokratie steht auch die Wissenschaft unter Druck. Ihre Wahrnehmung ist politisch stark polarisiert. Von Teilen der Gesellschaft wird sie nicht als Verfahren zur Wissensgewinnung gesehen, sondern als vermeintliches Machtinstrument der Elite.
Die Wissenschaft braucht politische Alliierte und ist auf eine funktionierende demokratische Informationsinfrastruktur angewiesen, insbesondere auf lebendigen Qualitätsjournalismus, leistungsfähige Bildungsinstitutionen und respektvolle, öffentliche Debatten.
Aus demokratiepolitischer Sicht steht die Wissenschaft vor der anspruchsvollen Aufgabe, ihre zentrale demokratische Rolle selbstbewusst zu verteidigen und gleichzeitig das Vertrauen der Bevölkerung durch wohlwollende und lebensnahe Kommunikation zu stärken.
Deepfakes und Wissenschaftskommunikation: eher eine Chance als eine Herausforderung?
Laetitia Ramelet | TA-SWISS
Der Vortrag stellt die Ergebnisse der interdisziplinären TA-SWISS-Studie zu KI-generiertem Content vor. Welche technischen Ansätze gibt es zur Überprüfung der Echtheit oder Künstlichkeit dieser Inhalte, und was können wir realistischerweise davon erwarten? Auch wenn die Verbreitung von Deepfakes im Internet mittlerweile alltäglich ist, ist sie nicht grundsätzlich problematisch: In welchen Fällen kommt es zu Konflikten mit dem Wert der Wahrhaftigkeit, der den Wissenschaften so am Herzen liegt? Abschliessend skizzieren wir Möglichkeiten für die Wissenschaftskommunikation, die angesichts der zahlreichen künstlichen Inhalte, die uns umgeben, an Bedeutung gewinnen kann, sowie einige Fragen, die sich hinsichtlich ihrer Rolle in diesem neuen Kontext stellen.