von Florian Fisch

Die tollen Entdeckungen, Erfindungen und Erkenntnisse, die in all den Labors rund um die Welt gemacht werden, müssen kommuniziert werden. Darin sind wir uns wohl alle einig. Wozu dient das Wissen, wenn niemand davon etwas weiss?

Nicht ganz einig sind wir uns wahrscheinlich in der Frage, wer die Wissenschaft kommunizieren und wie dies geschehen soll. Möglichst alle und viel, denken wohl die Einen. Die Wissenschaftler sollen endlich die Sorgen der Normalbürger zur Kenntnis nehmen, denken die Anderen. Wieder andere pochen auf die Wahrung eines kritischen Abstands.

 

Wissenschaft DRS2 und Kommunikation der Uni Bern (RSS Feeds in Wordle)

Die meisten Wissenschaftsjournalisten möchten kritisch sein. Weil häufig das Geld für unabhängigen Journalismus fehlt, befürchten viele eine unkritisches Abschreiben von Erfolgsmeldungen der Hochschulen und Firmen.

Die Hochschulen, der Nationalfonds, die Wissenschaftsakademien und Förderstiftungen wiederum sind untereinander Konkurrenten um Steuer- und Spendengelder und buhlen um die rare Aufmerksamkeit in den Medien. Jeder möchte seine Wissenschaft verbreiten.

Ethiker und Soziologen, wie Francesco Panese, wünschen sich vor allem mehr Kommunikation in Richtung der Wissenschaftler und zwar nicht erst, wenn die Resultate feststehen, sondern bevor die Forschung überhaupt begonnen wird.

Bundesämter sorgen sich vor allem, dass die Wirtschaft rund läuft und die Bürger samt deren Umwelt gesund bleiben. Sie verbreiten einerseits konkrete wissenschaftliche Antworten und stellen andererseits die Hochschulen als Ausbildungsstätten für MINT und andere Arbeitskräfte dar.

Allesamt sind verständliche, aber einseitige Blickwinkel auf die Wissenschaft. Sie fokussieren aber zu stark auf den Nutzen, die Gefahr oder schlicht auf die eigene Institution. Sie vergessen dabei, dass Wissenschaft zuallererst eine Kulturleistung wie die Literatur ist. Als eine der wenigen wahrhaft globalisierten Tätigkeiten erlaubt die Wissenschaft die Verständigung zwischen Menschen unterschiedlichster Kulturen und Weltanschauungen. Sie hilft uns miteinander zu sprechen.

Kommunizieren sollten deshalb am besten die Wissenschaftler selbst. Nur sie glühen vor Begeisterung für ihr Thema, ohne dass sie gleich die Krebsheilung versprechen oder vor der Überhitzung der Welt warnen müssen. Dabei sollten sie die Massenmedien gleich meiden, denn die brauchen grosse Versprechungen und düstere Weltuntergänge um ihre fehlende Begeisterung wett zu machen. Es braucht mehr Physik am Freitag, mehr TED Talks, mehr Cafés Scientifiques, mehr Forschungstage, mehr Science Slams, mehr Blogs... Dort können Wissenschaftler und Laien auf Augenhöhe und in zwei Richtungen miteinander diskutieren. Genau dort kommt man sich Näher und versteht einander.

Also:
Wissenschaftler, befreit euch von den Medienmitteilungen!
Kommunikationsverantwortliche, schickt die Wissenschaftler vor!