von Florian Fisch

"Die Bürger haben eigentlich ein Interesse an Wissenschaft", bestätigt Alexander Gerber vom Institut für Wissenschaftskommunikation Innokomm. Eigentlich. Irgendwo zwischen den umtriebigen Labors und den gemütlichen Stuben geht jedoch das Wissen und das Vertrauen verloren, wie die von Gerber präsentierten Zahlen zeigen. Und nicht genug: Einige Fragen wollen sich auch durch Zahlen nicht beantworten lassen. Wer soll kommunizieren: die Wissenschaftler oder die Kommunikationsprofis? Welcher Inhalt soll die Kommunikation enthalten: den Prozess oder die Resultate? Wann ist richtige Zeitpunkt dafür: vor der Bestimmung des Forschungsthemas oder nachdem die Fakten bekannt sind?

 

Wo liegen die Trüffel der Kommunikation vergraben?

Einigkeit herrscht, dass Kommunikationsdesaster wie im Vorfeld der Genschutz- und Moratoriumsinitiativen, verhindert werden sollen. Wir wollen nicht warten, bis die Wissenschaftler demonstrieren. Ein ständiger Dialog ist das Ziel bereits seit den 90er Jahren als die damalige Professorin für Wissenschaftsforschung an der ETH Zürich Helga Nowotny die Defizit-orientierte Kommunikation ändern wollte, wie Gian-Andri Casutt, Mitglied der Geschäftsleitung von Science et Cité, einführte.

Allerdings kann ein Dialogversuch auch in die Hosen gehen. Das musste Ernst Hafen, Professor am Institut für Molekulare Systembiologe, bitter erfahren. Mathis Brauchbar von der PR-Agentur Advocacy zeigte einen umfassenden Rückblick auf Hafens Projekt über Gentests im Internet. Hafen, selber ein enthusiastischer Befürworter dieser Verfahren, reichte beim Nationalfonds ein Agora-Projekt ein, um Vor- und Nachteile der Genanalysen öffentlich zu diskutieren. Hafens unvorsichtiges Vorpreschen in einem Artikel in der NZZ am Sonntag, ein Disziplinenstreit zwischen Humangenetikern und dem Molekularbiologen Hafen und ein Fehler Hafens bei Agora-Gesuch führte letzten Endes dazu, dass der Wissenschaftler ins Sperrfeuer der Kritik geriet (DRS2 / Sciencesofa) und das Agora-Projekt gestoppt wurde.

Für alle war klar, dass das Diskussions-Projekt wieder aufgenommen werden sollte - ohne Hafen. Aber was ist mit dem streitbaren Wissenschaftler? Ist es richtig, wenn er von den Medien bestraft wird, nur weil er seine persönliche Meinung ungeschickt kommunizierte? Wie sollen sich in so einen Klima noch Wissenschaftler finden, die öffentlich zu den Prozessen in der Wissenschaft Stellung nehmen, wie wir die ganze Zeit predigen.

Ein Erfolgreiches Projekt wurde vom Leiter der Kommunikationsabteilung des WSL Gottardo Pestalozzi vorgestellt. Geladene Gäste suchten mit Wissenschaftlern Trüffel im Wald. Beim anschliessenden Abendessen gab es passende Kurzvorträge und einen informellen Austausch zwischen Gästen und Wissenschaftlern. Ein voller medialer Erfolg. Ob das Institut für Molekulare Systembiologe mit einem Anlass zur Gensequenzierung und anschliessendem Abendessen von den Medien auch so gut aufgenommen worden wäre...?