von Florian Fisch

Gesundheit, Umwelt und Kinder - eine breite Themenwahl. Das gemeinsame Problem: die wachsende Komplexität. "Die vielen Fortschritte in der Medizin können den Blick auf das wirklich Wichtige versperren", meinte Stephan Sigrist, Leiter des Thinktanks W.I.R.E.

 

Vielleicht ein wenig zu einfach!

Sehr eindrücklich tritt die Komplexität auch in der Frage des Klimawandels zu Tage. Dominique Bourg, Professor der Philosophie an der Universität Lausanne, zeigte mit seiner messerscharfen Analyse, wie die Naturwissenschaften in sich selbst gespalten sind - auch wenn man die paar Klimaskeptiker beiseite lässt. Da sind einerseits die agierenden Disziplinen, wie die Bio-Geo-Ingenieure, die von den Lösungen des Problems schwärmten (zum Beispiel durch die Extraktion des Kohlendioxids oder durch Verminderung der Einstrahlung durch Schwefeldioxid in der Atmosphäre). Andererseits gibt es die erhellenden Disziplinen, wie die Klimaphysiker, welche zuerst vor den Risiken warnen.

Nicht nur innerhalb der Naturwissenschaften existiert dieser Pluralismus. Vielfältig seien auch die Bewertungssysteme innerhalb der Gesellschaft: Dinge können wahr/falsch, gerecht/ungerecht, legitim/illegitim, zu glauben/zu bezweifeln oder zu bezahlen/nicht zu bezahlen sein. Während im Kommunismus die politische Ebene des legitim/illegitim über die Sphäre des wahr/falsch gestülpt worden sei, werde diese Rolle heute durch die neoliberale Ideologie mit dem zu bezahlen/nicht zu bezahlen Wertepaar übernommen. "Das Problem ist die Leugnung des Pluralismus", ist Bourg überzeugt. Er spricht sowohl den Pluralismus innerhalb der Naturwissenschaften als auch den in der Gesellschaft an.

Wie man angesichts des apokalyptischen Klimaszenarios noch handlungsfähig bleiben kann, fragte Julia Hofstetter, die Leiterin Klimabildung bei der Stiftung Myclimate, die Runde in ihrem Workshop. Darf man die Kinder dazu "missbrauchen", die Gesellschaft umzuerziehen? Liefert man sie nicht einem zerreissenden inneren Konflikt aus? Ihr Bedürfnis zu handeln prallt auf die Trägheit der Eltern und der ganzen Gesellschaft. Ein Konsens kristallisierte sich heraus: die Ziele müssen für sie erreichbar und in kleinen Zwischenschritten zu realisieren sein. Zum Beispiel könnten sie sich vornehmen, mit dem Velo den Abfall zur Recyclingstation im Quartier zu fahren und damit eine Autofahrt der Eltern zu verhindern.

Erreichbare Ziele, in kleine Zwischenschritte aufgeteilt. Wahrscheinlich eine allgemeingültige Strategie der Komplexität von Wissenschaft und Gesellschaft beizukommen!