Interview mit Kathrin Yvonne Bigler, Regisseurin und Simone Hofmann, Szenografin anlässlich der Biologie-Olympiade 2013 in Bern.

 

Biologiebuch

Biologiebuch auf Reisen

Der Bundesplatz ist voller roter und blauer Sonnenschirme. Darunter hängen Hobby-Porträts, auf deren Rückseite steht, aus welchem Land dieser Welt die abgelichtete Person stammt. Es sind allesamt Biologielehrer. Die Schüler dieser Biologielehrer haben gerade eine strenge Woche an der internationalen Biologie-Olympiade in Bern hinter sich. Das ist theoretische und eine praktische Prüfung. Heute ist Abschlusstag.

Neben den Porträts ihrer Biologielehrer brachte einer auch eingelegte Frösche, ein anderer auf arabisch angeschriebenes Aspirin und ein letzter seine eigene DNA in einem Proberöhrchen mit. Neugierige Passanten wurden zu ihren eigenen Biologielehrern und zum Unterricht befragt und die Fragebögen wurden an einer Wäscheleine aufgehängt. Auf einem Tisch lagen Biologiebücher in fremden Sprachen, aber alt-bekannten Inhalten.

 

Kathin Yvonne Bigler und Simone Hofmann

Die künstlerischen Autorinnen dieser Veranstaltung von Science et Cité waren Kathrin Yvonne Bigler (li) und Simone Hofmann (re), deren Arbeit sonst als Theater und Performance genossen werden kann.

Florian Fisch: Was wollten Sie mit den Fotos bezwecken, welche die Jugendlichen von ihren Biologielehrern mitgebracht haben?

Simone Hofmann: Die Studenten kommen aus den unterschiedlichsten Ländern und Schulen. Mit den Fotos bringen sie etwas aus ihrem persönlichen biologischen Kontext mit. Sie haben die Fotos selbst gemacht und dabei selbst Regie geführt.

Kathrin Yvonne Bigler: Es war ein Element, um die Passanten nach ihren eigenen Erinnerungen an die Biologie befragen zu können. Wissenschaft ist wie die Kunst oft sehr abgehoben. Wir wollten sie aus dem Elitären herauszuheben und damit einen Bezug zum Alltag schaffen. Die Fotos, Biologiebücher und Gegenstände aus den Schulzimmern sollten Dinge zum anfassen sein. Sie spielen mit Sinnen und Assoziationen.

SH: Jeder hat einmal ein Biologiebuch in der Hand gehabt. Das lädt zum herumschmökern ein und lässt Erinnerungen wach werden. Es richtet sich damit nicht ausschliesslich an Leute, die sich in der Biologie zu Hause fühlen.

Was hat Sie gereizt, den Auftrag anzunehmen?

KYB: Es ging mir darum die Schnittstelle auszuloten zwischen meiner üblichen Beschäftigung und einem Thema, das ich sonst nicht kenne.

SH: Es war auch amüsant zu sehen, wie sich die Stereotypen der verschiedenen Länder in den Fotos bestätigten. Natürlich gab es auch Überraschungen. Dadurch erhielt ich einen anderen Zugang zu den Jugendlichen als in einem alltäglichen Umfeld möglich gewesen wäre.

Kann man Wissenschaft und Kunst miteinander vereinen?

SH: Ich finde schon. Es ist eine Frage, wo die Schnittstellen gesetzt werden.

Es sind doch recht unterschiedliche Arten mit der Realität umzugehen.

SH: Es gibt auch einen forschenden Aspekt in der Kunst. In Kunstinstitutionen mögen andere Schwerpunkte gesetzt werden. Es gibt jedoch Künstler, die mit Materialien aus der Wissenschaft arbeiten. Zum Beispiel wurde ein Hase mit Hilfe des Stoffs aus einer Qualle zum Leuchten gebracht.

KYB: Es gibt Wissenschaftler, die mit Choreographen zusammenarbeiten oder Bildhauer mit Köchen. Dabei geht es eben darum, Schnittstellen zwischen verschiedenen Berufsgruppen, Forschungsfeldern und Expertisen zu durchleuchten.

Ich finde aber nicht, dass wir hier Kunst und Wissenschaft zusammengebracht haben. Hier ging es darum, ein Event zu entwerfen, das für die Jugendlichen stimmt. Es ging ja nicht in erster Linie um eine Auseinandersetzung mit der Wissenschaft, sondern mehr um eine Inszenierung im Öffentlichen Raum.

Könnte man es nicht als eine leicht subversive Art betrachten, der Öffentlichkeit die Biologie näher zu bringen, indem man an ihre eigenen Erinnerungen knüpft?

KYB: Nein, für mich war keine solche Absicht dahinter. Hier ging es uns schlicht und einfach darum, den Jugendlichen einen Abschluss der Biologie-Olympiade zu bieten und der Öffentlichkeit das Thema durch Assoziationen näher zu bringen. Sonst hätten wir ganz viel Recherche machen müssen. Hier durften die Geldgeber mitreden. Bei einer persönlichen, künstlerischen Arbeit gehe ich keine Kompromisse ein.

SH: Die Jugendlichen haben zudem eine lange Woche hinter sich. Da konnten wir diese nicht stundenlang einspannen, um uns zusammen vorzubereiten.

War die Absicht also nicht eine tiefschwellig Art der Wissenschaftsvermittlung?

KYB: Doch sicher, auf jeden Fall. Ich will mir nur nicht anmassen, dass es dabei um Biologie ging. Es hätten auch Chemie oder andere Wissenschaften sein können.

SH: Wir wollten die Grenzen brechen für Menschen, die sich nicht intensiv mit Wissenschaft befassen. Ausserdem sind die Jugendlichen ja auch noch keine Biologen, sondern Schüler.

KYB: Für mich ist auch wichtig, dass Vermittlung von Kultur oder Wissenschaft immer eine Zweiweg-Kommunikation ist. Es ist eine Art Kreativ-Zustand. Beide - wir und die Jugendlichen - bringen etwas von sich mit. Das betrachte ich als echte Vermittlung.

SH: Dafür ist der Bundesplatz natürlich ein dankbarer Ort. Hier kommen Leute wirklich vorbei. Auf einem Uni-Areal zum Beispiel wäre es viel schwieriger gewesen viele Menschen zu erreichen.

Was wünschen Sie den Jugendlichen für ihren weiteren Weg?

KYB: Oh...! Dass sie beruflich das tun können, was sie wirklich gerne tun.

SH: Dass sie so offen und neugierig bleiben. Das sind sie ja, sonst wären sie nicht hierher gekommen.