von Florian Fisch

Wie man das Thema Religion und Wissenschaft, trotz aller Tabus wunderbar thematisieren kann zeigen die Engländer. Ihre sportliche Einstellung zeigt sich nicht nur im Fussball oder Tennis, sondern auch im Debattieren.

Am 23. Februar spielte der Evolutionsbiologe und provokatorische Atheist Richard Dawkins gegen Rowan Williams, das geistliche Oberhaupt der Anglikanischen Kirche und Traupfarrer des britischen Prinzenpaares William und Kate. Das Sheldonian Theatre der Theologiefakultät der University of Oxford war zum bersten voll. Public Viewings wurden in anderen Sälen veranstaltet und weltweit konnten Zuschauer die Debatte per Live-Streaming mitverfolgen.

 

Das Thema: The nature of human beings and the question of their ultimate origin. Ein komplexes Unterfangen, das in vier Spielviertel unterteilt wurde.

Podcast

Der Schiedsrichter, ein Philosophieprofessor, gab zuerst die Spielregeln bekannt: kein Applaus, im Voraus gestellte Fragen des Publikums als Joker. Eine clevere Einführung des Schiedsrichter stellt klar, worin sich die Debattanten einig sind: 1. Es gibt eine objektive Wahrheit; 2. Argumente müssen logisch sein; 3. Die Wissenschaft hat der Menschheit viel Gutes gebracht.

00:00
Eröffnung mit dem Chancellor der Universität

06:05
1. VIERTEL: Die Natur des Menschen heute.
Es geht um Bewusstsein, Computer und das berühmte Bewusstseinsexperiment von Libet.

Williams:
"Wenn das Bewusstsein eine Illusion ist, was ist dann keine?"

36:55
2. VIERTEL: Der Ursprung der menschlichen Art.
Es geht um den ersten Menschen, die erste Vorstellung von Gott, Konstruktionsfehler, die gnadenlose Natur und menschliche Schicksalsschläge

Dawkins:
"Es gab nicht den einzigartigen Moment, wo die letzen Homo erectus Eltern auf ihr erstes Homo sapiens Baby geschaut haben."

57:40
3. VIERTEL: Der Ursprung des Lebens auf der Erde.
Es geht um die Evolution bevor es Gene gab, Wahrscheinlichkeiten und das anthropische Prinzip

68:30
4. VIERTEL: Der Ursprung des Universums.
Es geht um die Erklärungskraft der Genesis und der Wissenschaft, um den Glauben von Dawkins und um Einfachheit, Schönheit, Eleganz.

Dawkins:
"Es ist ein Verrat an allem, wofür Wissenschaft steht, zu sagen: 'Ja, aber trotzdem war Gott der Anfang' "

Williams:
"Ich sehe Gott nicht als etwas, das ins Universum hinein gezwängt werden muss."

83:52
Schluss mit Rede des Joint Conveners der Theologiefakultät

Wer die Debatte für sich entschieden hat ist schwer zu sagen. Dawkins' Argumente hatten mehr Erklärungskraft, bei philosophischem Fragen musste der Biologe jedoch mehrmals passen. Williams kam mit unpräzisen Formulierungen davon, wohl vor allem wegen Fähigkeit des Theologen, die Welt als etwas Tröstliches zu betrachten und die emotionale Ebene anzusprechen. Das Thema war zu weit gefasst, als dass man die Meinungsunterschiede hätte präzisieren können - das Tabu bleibt. Ein Unentschieden für die Debattanten - die grosse Siegerin ist die kontroverse Wissenschaftskommunikation.