ScienceComm'15 - Tag 1

Mehr Vertrauen in die Wissenschaft und besser gebildete Laien sind die Verheissungen der Citizen Science. Benjamin Bollmann und seine Kollegen von Swissnex haben es ausprobiert und dabei gemerkt: "Es ist schwierig, Leute zu mobilisieren, die nicht schon zur Community gehören." Mit dem Projekt Data Canvas sollen 100 Leute aus 7 Städten weltweit, von San Francisco über Genf bis Bangalore bastelten sie einfachste Sensoren Licht, Lärm und Luftverschmutzung in ihrer Stadt zu messen. Ein Erfolg, wie Bollmann berichtet: "Sobald sie die Sensoren bei sich zu Hause hatten, fingen sie an, sich intensiv online auszutauschen."

Für Bruno Strasser, Wissenschaftshistoriker an der Universität Genf, sind sie die Macher unter den Citizen Scientists - neben den Rechnern, die für Grossprojekte wie am CERN die Rechenleistung ihres Computers spenden, den Sensoren, die Daten über Naturphänomene sammeln und den Analysieren, die bei der Auswertung von Astronomischen Bildern helfen. Sind diese Citizen Scientists wirklich Laien - wie erhofft? Strasser wird dies in den nächsten Jahren erforschen. Klar sei jedoch: "Citizen Science fordert uns, das Verhältnis zwischen Wissenschaftlern und Laien zu überdenken."

citizen science

1902 stand die Welt Kopf.

 

Damit Citizen Science wirklich gelingen kann, müssen wissenschaftliche Daten allerdings zugänglich sein. Dies ist ganz im Sinne von Martin Vetterli, Forschungsratspräsident beim SNF. Er sprach stark sich für Transparenz und Offenheit aus. Der Weg ist aber noch weit.

José Romero vom BAFU forderte zudem, dass bei wissenschaftlichen Syntheseberichten für IPCC oder IPBES auch das Wissen von indigenen Bevölkerungen miteinbeziehen - quasi die kompetenten Citizens einer anderen Kultur.

Zwei Wermutstropfen gab es bei den Selbstgebauten Luft-Sensoren von Data Canvas allerdings. Einerseits scheint das Interesse der Teilnehmer mit der Zeit abzunehmen. Einige kaputte Sensoren wurden nicht repariert. Andererseits bescheinigt die ETH Zürich, dass die so erhobenen Daten verglichen mit professionellen Messungen viel Hintergrundrauschen aufweisen.

Schlimm ist das nicht, wie Gottfried Schatz, früherer Direktor des Biozentrums Basel in seinem Redetext festhielt: "Forschende versuchen Unwissen in Wissen zu verwandeln und sie sind üblicherweise viel mehr an der Umwandlung selbst interessiert als an deren Produkt."